Darstellung:
Sieben menschliche Figuren und sechs Putten schmücken die in drei Stockwerke unterteilte bronzene Brunnensäule, die sich aus einem achteckigen Becken erhebt.
Die sieben Figuren stellen die Sieben Tugenden des Mittelalters dar, dazwischen sind sechs Putten.
Auf der obersten Plattform steht die Gerechtigkeit mit ihren Symbolen: Kranich (Symbol der Wachsamkeit), verbundenen Augen, Waage und Schwert.
In der Mitte blasen sechs Putten, recht verweltlichte und fleischliche Engelsfiguren, aus ihren Trompeten einen dünnen Wasserstrahl. Sie halten die Wappen Nürnbergs.
Feine Wasserstrahlen aus den Gefäßen der Allegorien und aus den Brüsten der jungfräulichen Gestalten lassen einen Vorhang um den gesamten Brunnen entstehen.
Unter den Putten sind sechs Kardinaltugenden dargestellt, drei christliche (theologische) und drei heidnische:
Glaube (Kreuz und Kelche), Liebe (zwei Kinder), Hoffnung (Anker) und Großmut (Löwe), Mäßigkeit (Krug und Schale) und Geduld (Lamm).
So spiegelt der Tugendbrunnen im Gegensatz zum Schönen Brunnen ein "modernes" Weltbild wieder und kein mittelalterliches, eine harmonische Verbindung aus wertvollen heidnischen und christlichen Traditionen.
Glaube und heidnische Weisheit haben letzten Endes das gleiche große Ziel, den "guten" Menschen.
Geschichte:
Der Bau des Tugendbrunnens wurde vom Rat der Stadt Nürnbergin Auftrag gegeben.
Er ist aus Bronze uns Sandstein gefertigt.
Der Tugendbrunnen begrenzt den Lorenzer Platz räumlich gegen die Königsstraße hin. Ursprünglich war der Tugendbrunnen von zwei freistehenden Brunnenhäuschen umgeben, die die Entnahme von Brauchwasser vereinfachten.
Eine eigens geschaffene Wasserleitung aus Holz- und Bleiröhren war nötig, um den Tugendbrunnen mit Wasser zu versorgen.
Quelle:
Herbert Maas, Nürnberg - Geschichte und Geschichten, Verlag Albert Hofmann, Nürnberg, 1976
Stadtlexikon Nürnberg, herausgegeben von Michael Diefenbacher und Rudolf Endres, W. Tümmels Verlag, Nürnberg, 2000.
Nürnberg, Kaiserburg - Altstadt - Kirchen - Museen, Stadtführer, Edm. von König-Verlag (Heidelberg/ Diehlheim)
Berühmte Nürnberger aus neun Jahrhunderten, Herausgeber Christoph von Imhoff, Verlag Albert Hofmann, Nürnberg, 1984